Ein Auftrag kommt rein. Du legst den Kunden im Angebotsprogramm an. Dann noch einmal in der Buchhaltung. Der Termin wandert von Hand in den Kalender, und wenn die Rechnung rausgeht, tippt jemand die Positionen ein drittes Mal ab.
Das ist keine Frage von Disziplin oder besserer Organisation. Die Programme wissen nichts voneinander, also übernimmt der Mensch die Übergabe.
Wer nach einer Lösung sucht, bekommt im Kern drei Antworten. Der ERP-Anbieter sagt: ersetz alles durch ein System. Die Agentur sagt: wir programmieren dir eine Schnittstelle. Das Fachlexikon erklärt, was eine API ist, und hört da auf.
Alle drei können im Einzelfall richtig liegen. Aber alle drei überspringen die Frage, die davor kommt: Muss überhaupt etwas gebaut werden? Häufig gibt es die Verbindung längst. Als fertigen Konnektor beim Anbieter, als Zusatzmodul gegen Aufpreis, oder als Export, der für deinen Zweck völlig ausreicht.
Warum reden meine Programme nicht miteinander?
Weil jedes Programm seine Daten in seiner eigenen Ordnung ablegt und niemand die beiden je einander vorgestellt hat. Drei Gründe stecken meistens dahinter:
Die Programme wurden nacheinander angeschafft
Erst kam die Buchhaltung, Jahre später das Angebotsprogramm, irgendwann ein Kalender fürs Team. Jedes für sich eine gute Entscheidung, jedes von einem anderen Hersteller.
Der Hersteller hat kein Interesse daran
Eine offene Schnittstelle macht es leicht, sein Produkt gegen ein anderes zu tauschen. Manche Anbieter bauen sie trotzdem, andere verlangen Aufpreis dafür, wieder andere bieten sie gar nicht an.
Es hat nie jemand gefragt
Der häufigste Fall. Die Verbindung wäre da, im Menü unter „Integrationen“, aber sie wurde nie eingeschaltet, weil niemand wusste, dass es sie gibt.
Woran erkenne ich, ob meine Software eine Schnittstelle hat?
Das kannst du in einer halben Stunde selbst herausfinden, ohne Entwickler. Fünf Schritte:
- Sieh in den Einstellungen nach. Such nach den Wörtern Schnittstelle, API, Export, Integration, Verbindungen oder Add-ons. Bei vielen Programmen steht dort bereits eine Liste.
- Sieh auf der Website des Herstellers nach. Fast jeder Anbieter hat eine Seite „Integrationen“ oder „Partner“. Dort steht, mit welchen anderen Programmen es ohne Programmierung geht.
- Such nach beiden Namen zusammen. Also nicht nach „Schnittstelle“, sondern nach den beiden konkreten Produktnamen in einer Suchanfrage. Wenn viele Betriebe diese Kombination brauchen, gibt es oft längst eine fertige Anbindung.
- Ruf den Support an und stell eine konkrete Frage. Nicht „Haben Sie eine Schnittstelle?“, sondern: „Gibt es eine dokumentierte Schnittstelle, in welchem Tarif ist sie enthalten, und was kostet sie extra?“ Die Antwort entscheidet über alles Weitere.
- Prüf, ob es wenigstens einen Export gibt. Eine Datei, die du herunterladen und im anderen Programm einlesen kannst. Das ist keine Schnittstelle, aber es ist die Rückfallebene, und für manche Aufgaben reicht sie völlig.
Nach diesen fünf Schritten weißt du, in welchem der drei Fälle du steckst: Die Verbindung ist vorhanden und muss nur eingeschaltet werden. Sie ist vorhanden, kostet aber extra. Oder es gibt keine, und dann stellt sich die Frage, ob sich der Bau lohnt.
Was kostet es, zwei Programme zu verbinden?
Das hängt davon ab, in welchem der drei Fälle du steckst, und die Größenordnungen liegen weit auseinander.
Der Konnektor ist da und muss eingeschaltet werden. Dann zahlst du im schlechtesten Fall einen Tarifaufpreis. Das ist kein Projekt, das ist eine Einstellung, für die jemand einen Nachmittag braucht.
Es gibt ein fertiges Zwischenwerkzeug. Programme wie Make, Zapier oder n8n verbinden viele gängige Anwendungen, ohne dass jemand programmiert. Du zahlst ein Monatsabo, dazu einmalig die Einrichtung. Für einfache Übergaben reicht das oft.
Es muss gebaut werden. Dann wird ein Angebot kalkuliert, und der Preis hängt an Dingen, die du selbst beeinflussen kannst.
Vier Fragen entscheiden über diesen Preis, und du solltest sie beantworten können, bevor du irgendwo anfragst:
- Wie viele Felder wandern wirklich? Name und E-Mail-Adresse zu übergeben ist etwas anderes als ein kompletter Auftrag mit Positionen, Rabatten, Lieferadressen und Steuersätzen.
- In eine Richtung oder in beide? Wenn Daten nur von A nach B laufen, ist die Sache überschaubar. Sobald sie in beide Richtungen fließen, muss geklärt werden, welche Seite recht behält, wenn beide denselben Datensatz geändert haben. Das ist der Punkt, an dem Projekte teuer werden.
- Wie oft? Einmal nachts alle neuen Vorgänge zu übertragen ist deutlich einfacher, als jede Änderung im selben Moment weiterzureichen.
- Was passiert, wenn es schiefgeht? Wenn das Zielsystem gerade nicht erreichbar ist, wenn ein Pflichtfeld leer bleibt, wenn ein Kunde zweimal existiert. Dieser Posten fehlt in den meisten Angeboten und ist der Grund, warum eine fertige Verbindung später Ärger macht.
Wer dir einen Preis nennt, ohne diese vier Fragen gestellt zu haben, rät.
Zu den Zahlen, die du im Netz findest, noch eine Einordnung: Die Preisspannen, die dort kursieren, stammen fast durchgehend von Anbietern, die genau diese Leistung verkaufen. Das macht sie nicht falsch, aber es sind Angebotspreise und keine Marktdaten. Nimm sie als Hausnummer, nicht als Maßstab.
Wie lange dauert das?
Auch das trennt sich nach den drei Fällen. Einen vorhandenen Konnektor einzuschalten und zu prüfen ist eine Sache von Stunden. Eine Verbindung über ein fertiges Zwischenwerkzeug steht meist innerhalb weniger Tage, wenn beide Programme mitspielen. Eine gebaute Schnittstelle braucht Wochen, und der größte Teil der Zeit geht nicht ins Programmieren, sondern in zwei andere Dinge: herauszufinden, wie die beiden Systeme ihre Daten tatsächlich ablegen, und zu testen, was bei fehlerhaften Daten passiert.
Wenn dir jemand eine gebaute Schnittstelle für übermorgen verspricht, wurde einer dieser beiden Schritte weggelassen.
Und wenn es gar keine Schnittstelle gibt?
Dann bleibt der Weg über Export und Import, und der ist besser als sein Ruf. Fast jedes Programm kann Daten als Datei ausgeben, und fast jedes kann eine solche Datei einlesen. Das läuft nicht von selbst, aber es macht aus dreißig Minuten Abtippen zwei Minuten Klicken.
So gehst du vor:
- Im Ausgangsprogramm einen Export anlegen, der genau die Felder enthält, die drüben gebraucht werden. Nicht alle. Weniger Felder heißt weniger Fehler.
- Eine Datei probeweise ausgeben und ansehen. Stimmen Umlaute, Datumsformat und Nachkommastellen?
- Im Zielprogramm einen Import einrichten und die Felder einander zuordnen. Diese Zuordnung lässt sich fast immer speichern, dann ist sie beim nächsten Mal schon da.
- Einen festen Zeitpunkt festlegen, zu dem das jemand macht. Freitagnachmittag, jeden Monatsersten, was passt.
Wo dieser Weg an seine Grenze kommt: Er läuft nicht in Echtzeit, er braucht einen Menschen, der ihn anstößt, und er verträgt keine Änderungen in beide Richtungen. Für die Übergabe von Neukunden an die Buchhaltung reicht er trotzdem oft jahrelang.
Brauche ich dafür ein neues System?
Meistens nicht, und die Empfehlung dazu kommt fast immer von jemandem, der ein neues System verkauft.
Ein Komplettwechsel löst das Problem tatsächlich, weil danach alles in einer Anwendung liegt. Er bringt aber die gesamte Datenübernahme mit sich, die Einarbeitung aller Beteiligten, den Verlust gewachsener Abläufe und ein Risiko, das mit dem Umfang wächst. Für einen Betrieb, dessen vier Programme jedes für sich gut funktionieren, ist das die teuerste und unsicherste Variante.
Die Frage lautet deshalb nicht „alles neu oder alles beim Alten“, sondern: Ist eines der vorhandenen Programme das eigentliche Problem? Wenn die Buchhaltung ohnehin veraltet ist und abgelöst werden müsste, dann ist der Wechsel die richtige Gelegenheit. Und wenn dahinter die grundsätzliche Frage steht, ob es ein fertiges Produkt sein soll oder etwas Eigenes, gehört sie über fünf Jahre gerechnet und nicht nach Gefühl entschieden. Wenn alle vier Programme ihren Zweck erfüllen und nur nicht miteinander sprechen, ist der Wechsel die falsche Antwort auf die richtige Beobachtung.
Wann es sich nicht lohnt
Rechne es einmal mit deinen eigenen Zahlen durch. Du brauchst nur zwei davon: wie oft die Sache pro Woche vorkommt und wie lange sie einmal dauert.
Zwanzig Vorgänge in der Woche, vier Minuten pro Vorgang, sind achtzig Minuten wöchentlich und damit rund sechzig Stunden im Jahr. Da lohnt sich das Nachdenken.
Drei Vorgänge in der Woche, zwei Minuten pro Vorgang, sind sechs Minuten wöchentlich und knapp fünf Stunden im Jahr. Dafür baut niemand etwas, und niemand sollte es dir verkaufen wollen.
Zwei weitere Fälle, in denen die Antwort Nein lautet:
Der Ablauf ändert sich gerade. Wer eine Verbindung für einen Prozess baut, der in einem halben Jahr anders aussieht, baut sie zweimal. Vorher gehört geklärt, welche Abläufe überhaupt stabil genug dafür sind.
Die Daten stimmen nicht. Wenn im Ausgangssystem Dubletten, halbe Adressen und Karteileichen liegen, verteilt eine Schnittstelle dieses Durcheinander zuverlässig auf zwei Systeme statt auf eines. Erst aufräumen, dann verbinden.
Was passiert, wenn der Anbieter etwas ändert?
Die Verbindung bricht, und das ist kein Ausnahmefall, sondern über die Jahre der Normalfall. Anbieter ändern ihre Schnittstellen, schalten alte Versionen ab, ändern Zugangsdaten oder stellen ein Produkt ein.
Deshalb gehören drei Dinge geklärt, bevor gebaut wird:
- Wer merkt es? Eine Verbindung, die still stehenbleibt, fällt oft erst Wochen später auf. Es braucht eine Meldung, wenn nichts mehr ankommt.
- Wer repariert es? Und in welcher Zeit.
- Was kostet das? Entweder als Wartungspauschale oder nach Aufwand, aber es sollte vorher besprochen sein und nicht beim ersten Ausfall verhandelt werden.
Das ist kein Nebenpunkt. Es ist der Unterschied zwischen einer Verbindung, die drei Jahre läuft, und einer, die nach dem ersten Update des einen Anbieters aufhört zu arbeiten. Was dabei sonst noch dauerhaft anfällt, steht in einem eigenen Text: wer das später betreibt und was es im Jahr kostet.
Was ist mit den Kundendaten?
Sobald personenbezogene Daten zwischen zwei Systemen fließen, gilt dafür dasselbe wie für ihre Speicherung. Praktisch heißt das vor allem zweierlei.
Wenn ein Werkzeug in der Cloud dazwischenhängt, verarbeitet dieses Werkzeug deine Kundendaten in deinem Auftrag. Dafür braucht es einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, den seriöse Anbieter bereitstellen, und der Ort der Verarbeitung sollte bekannt sein. Und die Verbindung gehört in das Verzeichnis der Verarbeitungstätigkeiten, das ohnehin geführt wird.
Beides ist erledigt, bevor die erste Rechnung geschrieben ist. Es ist nur unangenehm, wenn es erst danach auffällt. Bei größeren Vorhaben oder besonders sensiblen Daten lohnt eine Rückfrage bei jemandem, der Datenschutz beruflich macht.
Der erste Schritt
Nimm dir die halbe Stunde und geh die fünf Prüfschritte durch. Danach weißt du, ob du eine Einstellung suchst, ein Abo abschließt oder ein Angebot einholst. Diese drei Wege unterscheiden sich um den Faktor hundert, und die meisten Betriebe stecken im ersten, ohne es zu wissen.
Wenn du wissen willst, welcher der drei Fälle bei dir vorliegt, sieh es dir gemeinsam mit mir an. Der Digital-Check ist ein Gespräch und eine Einschätzung, kein Angebot.
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